Der in New York lebende italoamerikaner Abel Ferrara ist sicher einer der Regisseure, die am konsequentesten religiöse Themen wie Schuld und Erlösung, Tod und Transzendenz, Egomanie und Demut filmisch reflektieren und in faszinierende audiovisuelle Gesamtkunstwerke einbetten. In der Vergangenheit funktionierten seine Filme darüber hinaus jedoch gelegentlich auch als Genre Beiträge etwa als Gangster Psychogramm (King of New York) oder Rache Fantasien (Die Frau mit der 45er Magnum). Doch selten führte er seine Intention der theologischen Auseinadersetzung mit religiösen Themen so direkt und unvermittelt aus wie in dem 2005 gedrehten Film “Mary – this is my Blood” mit Juliette Binoche, Matthew Modine und Forest Whittaker in den Hauptrollen. Der größte Erfolg von Abel Ferrara war das Drogen-Drama Bad Lieutenant aus dem Jahr 1992, in dem Harvey Keitel als Cracksüchtiger Cop im Fall der Vergewaltigung einer Nonne ermittelt. Hierzulande ist das auch der einzige Film von ihm, der in den Kinos einen Platz fand, seine späteren Filme liefen hier meist gar nicht erst im Kino, und selbst deutschsprachige DVD- Veröffentlichungen einiger seiner wichtigsten Filme ( wie etwa “The Blackout” und “The Addiction”) stehen nach wie vor aus. Was im übrigen bei dem Blick auf die unglaublich triviale Kinolandschaft im “Keinohrhasenland” Deutschland wenig verwundern mag.

Umso erfreulicher dass der Film “Mary – this is my blood” nun auf DVD mit einer akzeptablen Synchronisation erschienen ist. Wie schon vorher in “Snake eyes” mit Madonna und Harvey Keitel in den Hauptrollen, verfolgt Ferrara auch hier wieder das Motiv des Film im Films. Gezeigt wird der Regisseur Tony Childress (Matthew Modine), der gerade seinen Jesus-Film “This is my blood” mit Maria Palesi (Juliette Binoche) in der Hauptrolle abgedreht hat und nun um Promotion für seinen Film bemüht ist. Wie bei Jesus-Filmen üblich trifft der egomane Regisseur dabei natürlich auf zahlreiche Proteste gegen sein unverstandenes Werk, in dem er selbst die Rolle von Jesus übernommen hat. Die Hauptdarstellerin des Filmes hat sich indes so mit ihrer Rolle als Maria Magdalena indentifiziert, dass sie gleich in Israel bleibt und sich einem kontemplativen Leben widmet. Sie bildet einen modernen Gegenentwurf zum verstaubten katholischen Patriarchat, das nicht mehr in der Lage ist Gottes Wort in der heutigen Zeit Aktualität zu verleihen.

Die dritte Hauptperson im Film wird von Forest Whitaker charakterisiert. Er produziert gerade als Moderator eine Fernsehsendung, in der sich intelektuelle wie etwa die für ihre Gnosis-Forschungen bekannte Religionswissenschaftlerin Elaine Paigels und andere religiöse Experten wie Jean Yves Leloup, Ivan Nicoletto und Amos Luzzato zu religiösen Fragen äußern. Der Journalist selbst wartet gerade auf die Niederkunft seiner Frau, die von ihm aufgrund seiner beruflichen Verpflichtungen verachlässigt und wohl auch betrogen wird. Es kommt schließlich zu einer Frühgeburt…was zu einer existentielle Glaubenskrise des Fersehmoderators führt.

Ferrara hat mit Mary einen vielschichtigen und berührenden metaphysischen Film geschaffen und die DVD gehört in jede Sammlung religiöser Filme.

Auch die folgenden Werke von Abel Ferrara seien Menschen, die an kunstvollen audiovisuellen Diskursen über Religion, Drogen, Sucht und Sex interessiert sind, empfohlen.


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